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Budenzauber mit Wurst / Tropenbrötchen
Gunther 
eröffnete im vorigen Jahr  in Kamla, eine Wurtstbude. Das Konzept war simpel und erfolgreich. Einfachste Einrichtung, billiges Bier und preiswertes fast food. Und so erfolgreich, dass die Konkurrenz über Dumping klagte. Nun, jedem, der einmal über das Problem fixer Kosten nachgedacht hat, wird klar sein, dass in einem sehr gut besuchten Restaurant sog. Dumpingpreise durchaus auskömmlich sein können. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Besitzer weniger frequentierter Etablissements das anders sehen.


Gut lief der Laden also. Dann gelang es Gunther sozusagen über Nacht, durch einige wohlgesetzte Worte seine gesamte Stammkundschaft  total zu verärgern und seine Wurstbude stand auf einmal leer.  Gunther dachte über einen Verkauf nach, doch bei seinen Preisvorstellungen muss er wohl von einem alteingesessenen Thai beraten worden sein, so dass sich kein Interessent fand. 
Gunthers Mietvertrag läuft noch einige Zeit, er dachte nach und kam zu dem Ergebnis, ein Frühstücksrestaurant wäre nicht schlecht. Die Marksituation ist recht übersichtlich. Die großen Hotels bieten sehr teure Frühstücksbuffets an. Ein Thai hat hier 2 shops bakery. Seine Spezialität sind in der Mikrowelle „aufgebackene“ Baguettes. Dass seine beiden Läden immer gut besucht sind, sagt viel über die kulinarische Leidensfähigkeit des hiesigen Publikums.  Ein anderer Spezialist für Frühstück hier ist ein Deutscher, der hier nach seinen Werbetafeln eine Bäkerei betreibt.  Das ist natürlich gelogen,  er kauft  in unregelmäßigen Abständen Backwaren von eingesessenen Bäckern hier. Es ist bestimmt nicht der Brüller, jeden Morgen 50 km zu fahren, um mit einen Korb voll Brot und Brötchen heimzukehren und Paniermehl ist auch nicht unbedingt das big Business hier, also ist sein Angebot häufig  gut abgelagert. 
Dabei ist das Geheimnis knackiger Brötchen im feuchten Tropenklima ganz einfach, einfrieren und auf- oder zu Ende backen. So will es also Gunther versuchen. Läge nun sein Laden nur nicht so weit vom touristischen Geschehen entfernt, könnte das Konzept durchaus Erfolg haben.
Gunther dachte weiter nach. Eigentlich hat er ja sein Lokal ganztägig gemietet, so dass sich auch noch ein Restaurant anböte. Und ihm als Österreicher fiel natürlich auf, dass es Kamala und Umgebung nirgendwo eine gute böhmische Küche gibt. Da war sie also, die zweite Marktlücke.
Nur hat Gunther nicht die geringste Ahnung vom Kochen oder gar dem Einkauf von z.B. Fleisch. Das weiß er auch, ist aber ganz zuversichtlich, schließlich stehen die meisten Rezepte ja im Internet. Er selbst hat keine Arbeitserlaubnis für Thailand und seine Thaigefährtin mag so niedere Tätigkeiten wie Kochen nicht. Was also lag näher, als einen Thai anzulernen?
Gunther stellte also einen Thai ein, der, nach eigner Aussage, in der Küche eines großen Hotels gearbeitet hat. Er hat das wohl sehr wörtlich gemeint, und ich vermute mal, dass er dort eher für die Sauberkeit von Tellern und Besteck zuständig war denn für das Kochen. So hat er erhebliche Schwierigkeiten mit ersten anspruchsvollen Gerichten der Wiener Haute Cuisine wie z.B. Bratkartoffeln und Spiegelei. 

Grüsse Arthur